NKI News

News


Repräsentative Befragung des NKI: Großes Interesse der Privatanleger an nachhaltigen Kapitalanlagen

Vier von zehn Privatanlegern in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlage so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. Für ein solches Investment haben sich bislang aber nur 4,8 Prozent der im Rahmen einer repräsentativen Umfrage befragten Privatanleger entschieden. Dabei verhindern insbesondere ein unzureichendes Informationsangebot sowie Vorbehalte hinsichtlich der Renditechancen nachhaltiger Kapitalanlagen, dass alle interessierten Privatanleger ihr Geld auch tatsächlich nachhaltig investieren.

Marktpotenzial nur teilweise ausgeschöpft

Im Rahmen einer der bisher größten Umfragen zur nachhaltigen Kapitalanlage in Deutschland hat das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag des NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen 1.694 Finanzentscheider in Privathaushalten in Deutschland befragt. Im Mittelpunkt der Umfrage standen die Bekanntheit und Attraktivität dieser Kapitalanlagen bei Privatanlegern sowie deren Motive für und Vorbehalte gegen diese Form der Geldanlage.

Mehr als jeder vierte Befragte (26,2%) hat bereits von nachhaltigen Kapitalanlagen gehört, 39,5% halten nachhaltige Anlagen für attraktiv. Nur jeder zehnte interessierte Privatanleger, insgesamt 4,8% aller Befragten, hat aber bisher entsprechende Anlageprodukte gekauft. Das vorhandene Marktpotenzial wird damit nur zum Teil ausgeschöpft.

Transparenz als Schlüssel für die Marktentwicklung

Gegen den Kauf nachhaltiger Geldanlagen sprechen nach Angaben der Befragten vor allem unzureichende Informationen. So empfinden 40,1% der Befragten das Informationsangebot zu nachhaltigen Anlageprodukten als unzureichend, 35,2% ist die Wirkung der Anlagen für eine nachhaltige Entwicklung unklar. Eine unzureichende Beratung durch ihre Hausbank ist für 22,7% der Befragten ein Grund, nicht nachhaltig zu investieren. 30,9% befürchten ein höheres Anlagerisiko, 22,5% eine schlechtere Rendite.

Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zentrales Anlagemotiv

Auf die Frage nach ihren Motiven für eine nachhaltige Kapitalanlage nennen fast zwei Drittel der bereits investierten Teilnehmer (64,8%) den Beitrag dieser Anlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung, für 58% dieser Befragten ist die Übereinstimmung der Kapitalanlage mit ihren persönlichen Werten und Zielen der ausschlaggebende Grund, ihr Geld in nachhaltige Anlageprodukte zu investieren. Den Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz schätzen 54,5%, etwas mehr als jeder Vierte (27,6%) verspricht sich eine bessere Rendite.

Menschen- und Arbeitsrechte aus Sicht der Privatanleger wichtigste Nachhaltigkeitsthemen

Die Einhaltung von fundamentalen Menschen- (41,5%) und Arbeitsrechten (35,5%) sowie der Schutz von Umwelt (31,1%) und Klima (31,0%) sind aus Sicht der Befragten die wichtigsten Themen, die bei der Gestaltung von nachhaltigen Anlageprodukten berücksichtigt werden sollten. 26,8% halten den Ausschluss von korrupten Unternehmen und Staaten für eine zentrale Anforderung an diese Anlagen.

Für lediglich 17,3% der Privatanleger ist der Ausschluss von Rüstungsunternehmen ein zentrales Thema, für 5,6% der Ausschluss von Unternehmen, die fossile Energien fördern oder verarbeiten. Bei diesen beiden Punkten zeigen sich deutliche Unterschiede zu den Einschätzungen und Diskussionen bei institutionellen Anlegern, bei denen der Ausschluss von Rüstungsunternehmen und zunehmend auch von Kohle- und Ölunternehmen weit verbreitet ist.

Nachhaltige Sachwerte besonders attraktiv

Sachanlagen stoßen bei den Privatanlegern auf besonderes Interesse. So hält gut ein Drittel aller Befragten (34,3%) Direktanlagen in erneuerbare Energien für attraktiv, 31,3% sagen dies über Direktanlagen in nachhaltig bewirtschafteten Wald und 28,1% über nachhaltige Immobilien. Eine nachhaltige Altersversorgung finden 25,1% der Befragten attraktiv, Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds 21,4%.

Auch bei den Privatanlegern, die bereits nachhaltig investiert haben, stehen Direktanlagen in erneuerbare Energien (61,9%) und nachhaltig bewirtschafteten Wald (50,1%) hoch im Kurs, Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds stoßen bei ihnen auf deutlich höheres Interesse als im Durchschnitt aller Befragten (47,8%).

________________________________

Weitere Informationen enthält die Studie „Nachhaltige Kapitalanlage bei Privatanlegern“, die in der Reihe NKI Research, Ausgabe 6 vom Oktober 2017 erschienen ist: NKI Research-06-2017 Privatanleger-Befragung

NKI: Stellungnahme zum Divestment im Portfolio Institutionell-Magazin

In der aktuellen Ausgabe 10/2017 des Magazins von Portfolio Institutionell ist das NKI in der „Rubrik der Meinungsführer“ mit einem Statement zum Thema „Divestment“ vertreten.

Kernzusage: Aus finanziellen Gesichtspunkten kann es viel Sinn machen, aus fossilen Unternehmen auszusteigen, da ein Platzen der Carbon Bubble droht. Differenziert ist dagegen das gesell­schafts- und klimapolitische Engagement der Divestoren zu bewerten. Ganz praktisch bedeutet Divestment erst einmal, dass sich ein Investor von Wertpapieren trennt. Während er bei Anleihen auf die Endfälligkeit warten kann, braucht er bei Aktien einen Käufer. Ein erfolgreiches Aktien-Divestment hängt damit davon ab, ob es Anleger gibt, die die Risiken des Klimawandels als weniger bedrohlich einstufen oder im Hinblick auf den „richtigen“ Ausstiegszeitpunkt pokern. Ob die Wertpapiere der Unterneh­ men in den Händen solcher Investoren besser aufgehoben sind als bei nachhaltigen Anlegern Schließlich kann es sinnvoller sein, den mit Aktien und Unternehmensanleihen verbundenen Einfluss auf die Unternehmen zu nutzen, um deren Geschäftsmodell aktiv zu beeinflussen.