Die EU hebt die Schwellenwerte für das Lieferkettengesetz an und entlässt damit den europäischen Mittelstand aus seiner Verantwortung. Das ist ein Fehler, so Rolf D. Häßler im aktuellen Gastkommentar in der Frankfurter Rundschau.
Die Änderungen bei der europäischen Lieferkettenrichtlinie Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) sind gravierend. So wird diese Verpflichtung nach der jüngsten Einigung nur noch für Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und 1,5 Milliarden Euro Umsatz gelten. Verwiesen wird dabei auf den bürokratischen Aufwand und entstehende Wettbewerbsnachteile europäischer Firmen gegenüber Unternehmen aus Staaten, denen kurzfristige Deals wichtiger sind als nachhaltige Handelsbeziehungen. Hier ist aber zu fragen, ob nicht genau das Gegenteil der Fall ist. Ist es aus Sicht der Länder des globalen Südens nicht viel attraktiver, mit europäischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, die das Ihre tun, um die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern zu verbessern, etwa durch existenzsichernde Löhne? Und stellt so betrachtet das Lieferkettengesetz nicht geradezu einen Wettbewerbsvorteil der europäischen Wirtschaft im globalen Handel dar, in dem aktuell die Karten neu gemischt und bisherige Standards aufgekündigt werden?
